„Jede Nichterfüllung von Qualitätsanforderungen ist Verschwendung, die Zeit, Geld und Marktanteile kostet und somit überflüssig!“ (Brunner, F.J., Taschenbuch Qualitätsmanagement: Leitfaden für Studium und Praxis 2008, S.21)
Qualität ist ein integraler Wettbewerbsbestandteil für Unternehmen. Neben dem Preis bleibt ihnen vor allem die Qualität der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen, um sich von Wettbewerbern am Markt abzuheben. Für Dienstleister gilt die Notwendigkeit, sich durch konsequente Kundenorientierung im Markt zu positionieren. Ein aktives Qualitätsmanagement (QM) der Dienstleistungsqualität ist demnach erforderlich. Daher bedarf es eines ganzheitlichen Qualitätsmanagementsystems (QMS), welches eine Steuerung dieser Prozesse ermöglicht und eine Anpassung der Dienstleistung an den Kundenwunsch sicherstellt. Lässt sich die Notwendigkeit für ein effizientes QM bereits für Dienstleistungsunternehmen im Allgemeinen nachweisen, so zeigt sich ein besonderer Bedarf für Logistikdienstleister (LDL). Zentraler Erfolgsfaktor eines solchen QMS ist die Einbindung der Mitarbeiter sowohl in der Entwicklungs-, als auch in der Einführungs- und Umsetzungsphase. Der dadurch entstehende Aufwand stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KmU) vor Ressourcenprobleme. Daher ist ein systematisches QMS unerlässlich, welches anhand der Kombination von bestehenden Qualitätsmanagementpraktiken und der Anwendung von neuen Methoden im Rahmen eines einheitlichen Systems einfach zu implementierende Lösungen hervorbringt.
In der wissenschaftlichen Literatur gibt es bereits einige Ansätze, Qualitätsmanagementkonzepte für die Logistik zu formulieren. Grundsätzlich existiert eine Reihe von Methoden und Werkzeugen, welche prinzipiell aus dem Sektor der produzierenden Industrieunternehmen übernommen werden können, allerdings zum Teil erst noch an Logistikdienstleistungen anzupassen sind. Die seit dem Jahr 2000 deutlich gestiegene Anzahl an Möglichkeiten für LDL, sich im Rahmen des Qualitätsmanagements zertifizieren zu lassen, unterstreicht die Bedeutung des QM sowohl für Kunden als auch LDL. Allerdings wird deutlich, dass die große Auswahl an Methoden und der entsprechende finanzielle und zeitliche Aufwand für die Zertifizierung eine Belastung für Unternehmen darstellt. Dieser Aspekt unterstreicht den Bedarf an einem direkt auf Logistikdienstleistungen zugeschnittenen QMS, welches direkte Schnittstellen als Grundlage für eine mögliche Zertifizierung aufweist und somit ein effektives, kostengünstiges QM für KmU ermöglicht.
Zu diesem Ziel entwickelt das Institut für Logistik und Unternehmensführung im Rahmen dieses Forschungsprojektes ein ganzheitliches QMS für LDL. Ein solches Logistikqualitätsmanagementsystem (LQMS) dient der Erreichung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile durch eine kosteneffizient erbrachte hohe Qualität der Logistikdienstleistung. Grundzüge des zu entwickelnde Systems sind in Abbildung 1 dargestellt. Das LQMS ist je nach Größe des Unternehmens und der aktuellen Marktsituation skalierbar. Es lässt sich daher optimal für KmU einsetzen, da es der Ressourcenbeschränkung dieser Unternehmen Rechnung trägt.

Abbildung 1: Das LQMS – Der Qualitätsmanagementleuchtturm
Im Gesamtansatz des LQMS sind die Prinzipien, Praktiken, Methoden und Instrumente des QM verankert. Als Outputs sind neben der Qualität der Dienstleistung (gemessen in den Dimensionen der Logistikqualität - Potenzial, Ergebnis, Prozess) definierte Schnittstellen zur Zertifizierung der DQ vorgesehen. Es wird eine Differenzierung nach Verkehrsträgern und verschiedenen Sendungsarten vorgenommen, um ein möglichst hohes Maß an Anpassung an die Logistik zu gewährleisten.
Das Institut für Logistik und Unternehmensführung unter der wissenschaftlichen Leistung von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten hat für dieses Forschungsvorhaben bei der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) erfolgreich eine Förderung des Forschungsvorhabens durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) beantragt. Der Projektstart war am 01.09.2011.